An diesem Montag will das Kabinett in einer Sondersitzung den deutschen Part der Griechenland-Hilfe beschliessen, dann soll das Paket im Eilverfahren durch Bundestag und Bundesrat getrieben werden. Am vergangenen Wochenende wollten die Finanzminister der Euro-Gruppe letzte Hand anlegen. Der endgueltige Beschluss soll auf einem Sondergipfel der europaeischen Staats- und Regierungschefs voraussichtlich am 10. Mai erfolgen.

   In der Berliner Regierung wird zugleich nach Schuldigen gesucht fuer das verkorkste Krisenmanagment, dabei geraet neuerdings auch Finanzminister Schaeuble in den Blick.

   "Wir sind Kanzlerin"´s wichtigstes Kabinettsmitglied war in den vergangenen Wochen in der Berliner Regierung kaum praesent. Der Querschnittsgelaehmte hatte sich Anfang des Jahres einer Routineoperation unterziehen muessen, doch die Wunde wollte nicht verheilen.

   Fast zwei Monate versah er seine Amtgeschaefte vom Krankenbett meist durch seinen Staatssehraetaer Asmussen, dem es in der Koalition schon deshalb an Vertrauen mangelt, weil er als SPD-Mitglied bereits Schaeubles Vorgaenger Steinbrueck in gleicher Funktion gedient hatte.

   Griff Schaeuble doch einmal ins Berliner Geschehen ein, erlebten ihn seine Parteifreunde zuletzt als mueden und missgelaunten Politiksenior, der keinerlei Begeisterung zu wecken vermochte.

   Im Gegenteil: Die Unionsabgeordneten nehmen ihm uebel, dass er sie wochenlang ueber das wahre Ausmass der Griechenland-Krise im Unklaren liess, immer wieder wie ein Getriebener der Finanzmaerkte wirkte und mit der Kanzlerin zu keiner einheitlichen Linie fand. Selbst zu Zeiten der Grossen Koalition lief das Zusammenspiel zwischen Kanzleramt und Finanzministerium besser als jetzt, da beide von der Union dirigiert werden.

   Schon wird auf den hinteren Baenken spekuliert, wie lange Schaeuble Finanzminister bleibt.

 

Und auffaellig ist, wie sich ein moeglicher Nachfolger in Position bringt. Hessens CDU - Ministerpraesident Roland Koch, der nach der Bundestagswahl selbst gern Finanzminister geworden waere, fasste den verbreiteten Unmut ueber das Berliner Krisengewurstel am treffendsten zusammen:" Die Union und die Bundesregierung sind gut beraten", mahnte er vergangene Woche in einem Interview mit der "Berliner Zeitung", "mit einer Stimme zu sprechen."

   Nun ist die Hilfe beschlossene Sache. Und auch die Griechen haben inzwischen mehr Klarheit, was auf sie zukommt: Vergleichbare Einbussen wurde in Friedenszeiten kaum je einer europaeischen Nation abgefordert. Von drastischenEinschnitten bei Loehnen und Renten ist die Rede, von weiteren Steuererhoehungen und einem verschaerften Sparkurs fuer alle oeffentlichen Haushalte des Schuldenstaats.

   Neue Unruhen und Proteste der streiklustigen Hellenen duerften nicht lange auf sich warten lassen. Schon in der vergangenen Woche gingen Metallarbeiter und Beamtenanwaerter in Athen auf die Strasse. "Langsam macht sich Panik in den Koepfen der Menschen breit", sagt Wirtschaftprofessor Robolis.

   Da die Griechen trotz der gigantischen Kapitalspritzen aus Bruessel und Washington hoechst unsicheren Zeiten entgegengehen und das Land mit "explosionsartiger Arbeitslosigkeit" rechnen muesse, ist sich Robolis nicht sicher, ob die sozialen Proteste in Zukunft friedlich verlaufen werden.

   Wenn nicht, dann werden sich die Spekulanten schnell wieder auf den Euro stuerzen. Sie haben in den vergangenen Wochen und Monaten hohe Gewinne erzielt, weil sie auf die zunehmenden Schwierigkeiten Griechenlands und einen immer schwaecheren Euro setzten. Sie warten nur auf eine neue Chance.

   Schuldgefuehle plagen einen Hedgefonds-Manager wie Hugh Hendry,41, deswegen nicht. Die Menschen muessen ihm dankbar sein, meint der Schotte, der sich 2005 mit

 

dem Hedgefonds Eclectica selbststaendig gemacht hat und nun 450 Millionen Dollar verwaltet. "Die Politiker blenden gern die oekonomische Realitaet aus, aber wir konfrontieren sie mit den Fakten", sagte Hendry.

   Die Griechen haetten jahrelang ueber ihre Verhaeltnisse gelebt und seien nicht mehr wettbewerbsfaehig. Das fruehzeitig erkannt zu haben sei doch sehr verdienstvoll gewesen. Ohne die Warnsignale der Finanzmaerkte haetten die Griechen einfach weitergewurstelt.

   Hendry wirft mit Hilfe seines Computers die Zinskurve fuer zweijaehrige griechische Staatsanleihen auf den ueberdimensionalen Bildschirm an der Wand seines Bueros im Londoner Szeneviertels Notting Hill. Ihn begeistert die Klarheit des Trends, der eindeutig nach oben weist.

   "Die Ursachen einer Krise sind meist fundamentaler Natur, aber die Spekulationen der Hedgefonds koennen zu einem Ueberschiessen der Kurse fuehren", sagt Bernd Berg, der eine Doktorarbeit ueber ihren Einfluss bei Finanzkrisen wie in Asien 1997/98 geschrieben hat. Monatelang haetten die Hedgefonds gegen den thailaendischen Baht gewettet, bevor sie ihr Ziel erreicht hatten. Die Waehrung wurde vom Dollar entkoppelt, verlor dramatisch an Wert und loeste ein grosses Beben in der Region aus.

   Die wahrscheinliche Rettung Griechenlands durch die europaeische Politik haben die Finanzmaerkte abgehakt. "Laender wie Irland oder Portugal haben ganz aehnliche Probleme. Deutschland kann nicht alle retten", sagt David Owen, Chefanalyst der US-Investmentbank Jefferies.

   Die Hedgefonds-Manager setzen darauf, dass die Turbulenzen in der europaeischen Waehrungsunion noch zunehmen werden. Erste Attacken auf Portugal, Spanien und demnaechst wohl Irland zeigen, wie es weitergehen koennte.

   Der Zorn auf die Spekulanten eint auch in Portugal die Politiker aller Parteien. Dass das Land in der vergangenen Woche herabgestuft wurde, koennen sie nicht verstehen. Die wirtschaftliche Situation habe ja nicht ploetzlich am Dienstag geaendert, sagt

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11.06.2010 17:48 Update

 

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