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Die Logik des Bankrotts |
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Nach Immobilien, Firmen und Rohstoffen werden nun ganze Staaten zum Spielball globaler Investoren. Die Hauptakteure handeln nicht wie Schurken, sondern so, wie handeln muessen - Computer werden darueber entscheiden, ob Griechenland pleite ist. |
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Alles
fliesst, sechs Boersentage lang, von Sonntag 4 Uhr, wenn Sydney eroeffnet,
bis Freitag, 22 Uhr, wenn New York schliesst, 8280 Minuten, 496 800
Sekunden, 497 Millionen Millisekunden in denen Menschen und Maschinen
immerfort Entscheidungen faellen, die die Geschaefte und Geschicke der
Welt betreffen. Alles fliesst, es ist ein Strom grosser und kleiner
Nachrichten, um 2 Uhr nachts europaeischer Zeit werden in Neuseeland
Kreditkartenumsaetze vermeldet, um 3 Uhr australische Exportzahlen in
Sydney. In Tokio gibt es um 4.30 Uhr Neues zur japanischen Industrie, um 7
Uhr wird man in Genf ueber Verbraucherpreise erfahren, um 7.30 Uhr tritt
in Bruessel Europas Zentralbankchef Jean-Claude Trichet vor die Presse.
"Wir sind Kanzlerin" wird eine Rede halten um 10 Uhr, der
Luxenburger Jean-Claude Junker um 12Uhr, der US-Finanzminister Tim
Geithner um 14 Uhr, und um 15.00 Uhr wird man wissen, wie sich die neuen
Sechsmonatsanleihen der Griechen verkauft haben.
Die Terminboerse in Chicago hat neue Daten, die kanadische Bauwirtschaft, die Schweizer Bankenaufsicht, die Londoner Oelboerse,, die indische Stahlindustrie, die Hongkonger Hafenverwaltung, der australische Bauernverband, dann sind fuers Erste wieder 24 Stunden um, und die Welt ist ein klein bisschen anders geworden. Reicher vielleicht. Oder aermer. Verwirrend, das steht fest, ist sie geblieben. Der Anteil der Staatsschulden an Portugals Bruttoinlandsprodukt ist neuerdings von Bedeutung, die Arbeitsmarktdaten aus den USA lassen regelmaessig die Boersen springen, die Inflationsrate in Ungarn kann von Belang sein, die Weahrungspolitik Chinas ist es ohnehin, und der Kurs des britischen Pfunds spielt eine Rolle. Aber welche? Und unser Trend entsteht gerade? Was man wissen, um zu verstehen, woraus eine Krise die griechische gemacht ist? |
Auf
diese Fragen werden Antworten gesucht, Woche fuer Woche, Tag fuer Tag, in
den Zntralbanken rund um den Globus, in der Vorstandsetagen der
Geldhaeuser, den Forschungsabteilungen der Hedgefonds, in den Bueros und
Grossrechnern der Rating-Agenturen, auf den langen Fluren der global
agierenden Pensionsfonds und der Versicherungskonzerne - in den Koepfen
all jener, die man immer nur: "die Investoren" nennt.
Der Versuch, sie auf die schnelle dingfest zu machen, schlaegt regemaessig fehl. Wer sie einfach Ganoven stempelt, verfehlt das Thema weit. Wer sie zu smarten Helden unserer Zeit macht, sie als "Meister des Universums" feiert, ebenso. Gut moeglich, dass die grossen Akteure auf den Spielplaetzen des Geldes ihren Verstand laengst an Computersysteme abgegeben haben, gut moeglich auch, dass die erfolgreichsten Investoren nicht Schurken sind, sondern Gelehrte unserer Zeit, die das kapitalistische System, seine Regel und seine Luegen, nur am besten verstehen und mit Hilfe perfekter Automaten fuer sich zu nutzen wissen. Sie leben jedenfalls in einer Welt, in der moralische Guete von Entscheidungen kein Kriterium ist. Sie handeln amoralisch, sie folgen der Logik des Systems, sie bedienen kuehl seine Hebel. Wer sich auf ihre Spur begibt, trifft oft auf brilliante, dabei meist erschreckend nuechterne Leute, geschmueckt mit Doktor - und anderen Titel, Leute, die viel mehr wissen ueber die menschliche Natur, als ihnen zuzutrauen waere. Wer Investoren trifft, sie spricht, bekommt eine Idee davon, warum Kurse sinken, warum Staaten wanken und wie der Kapitalismus heute in groben Zuegen funktioniert. Der Versteht auch, warum die Weltwirtschaft in diesen Wochen von der dritten Etappe einer Finanzkrise erschuettert wird, die auf dem amerikanischen Immobilienmarkt begann; das sich dann ueber de Globus frass, weil mit den Risiken |
Risiken
von Immobilienkrediten und Firmenkrediten weltweit spkuliert worden war;
und die nun Staaten wie Griechenland, Portugal, vielleicht Irland an den
Rand des Staatsbankrotts treibt.
Jede Recherche auf diesem Feld wird durch den Codex der Finanzwelt erschwert, Interna nicht preiszugeben und Diskretion zuwahren. Kaum ein Akteur ist bereit, oeffentlich und mit Namen aufzutreten, man ist, wenn ueberhaupt, nur zu Hintergrundgespraechen bereit. Ihre Namen, sie spielen auch keine grosse Rolle, den am Ende sind sie Aaustauschbar. Wer heute noch Chefhaendler hier ist, kann morgen schon Vorstandsmitglied dort sein, wer gerade in London grosse Raeser dreht, tut es bald vielleicht schon in Hongkong oder New York oder gar nicht mehr, weil er entlassen wird oder ich sich am goldenen Fallschirm in den vorgezogenen Ruhestand abwerfen laesst. Kein Markt rotiert schneller als der des Geldes, keiner ist groesser , mit Tagesumsaetzen, die sich nur noch in Billionen rechnen, in Tausenden Milliarden. Gehandelt wird mit Staatsschulden, Waehrungen, mit Wechseln auf die Zukunft, gewettet wird auf Konjunkturkurven, Boersenindizes, Zinsentwicklungen, im Einsatz sind Geldsummen, die jede Menschliche Vorstellungskraft sprengen und hantiert wird mit Strategien so komplex, dass sie kaum zu fassen sind. Wer sind Menschen auf diesen Maerkten? Was haben sie mit Griechenland zu tun? Wer sind, was machen, was denken Investoren? "Hedgefonds lassen sich vergleichen mit Surfern, die Hinter der Bandung herumpaddeln und auf die grosse Welle warten", sagt der Chefhaendler eines Hedgefonds in London, er sitzt an der Bar im Kensington, es gibt trocknen Weisswein, der Hyde Park ist nah, vor den Tueren in der Nachbarschaft parken Porsche Cayenne. "Gute Surfer haben geduld", sagte der Haendler, "sie kennn sich aus mit dem Wind, dem |
11.06.2010 17:32 Update
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