
"Scheitern" in den neuen Bundesländern
Sich als Einzelhändler mit und nur mit dem Zeitungsverkauf über Wasser zu halten, halte ich nach meiner Erfahrung für ziemlich verrückt. Sie hätten ein so großes Warenangebot, so hohe Lagerhaltungskosten, sie wären schneller Pleite, als es ihnen Lieb wäre. Wenn ich es genau nehmen würde, müsste eigentlich die Zeitung jeden Tag um den Betrag x teurer werden. Wie meine ich das. Wie sollte nach meiner Einschätzung die Preiskalkulation bei einem Einzelhändler wie zum Beispiel einem Tabak/Zeitungseinzelhändler aussehen. Ich habe meine fixe Kosten in einem Laden. Strom, Wasser, Miete und Abfall und die Gehälter. Diese Kosten zusammenaddieren. Diese Teile ich dann durch jeden q/mm Präsentationsfläche. Das selbe mach dann mit allen Produkten in dem Laden, die ich anbieten möchte. Treibe ich es noch bunter, rechne ich die fixen Kosten auf 1 Minute des Tages herunter. Das wäre dann die fixen Kosten eines Produktes, wenn es Kostet würde, wenn es nur eine Minute am Tag liegen würden. Diese fixen Kosten müssten dann eigentlich auf den Preis der Zeitung aufgeschlagen werden. Das heißt, bei einem Verkaufspreis von 0,45 Cent kommen dann noch mal Betrag x drauf. Beispiel: Meine Zeitung: Verkaufspreis 0,90 Cent Erscheinungszeitraum 4 Wochen. Benötigter Platzbedarf: 0,02 qm. Kosten der gemieteten Fläche von 0,02 qm = 0,002 Cent. 30 Tage mal 24 Stunden macht 720 Stunden/Monat x 0,002 Cent macht 1,44 Euro + ,90 Cent = 2,34 Euro pro Exemplar. Ich müsste also 1,44 Euro als Verlag mitbringen, und wäre somit nach einer Ausgabe Pleite gewesen. Ich, als Macher/Zulieferer des Zeitungshändlers bin also direkt dafür verantwortlich, wenn dieser Laden in Konkurs geht. Selbst bei einer Mischkalkulation, was in einem solchen Laden zur Normalität gehört, ist es noch wichtiger, die Statistiken der einzelnen Warengruppen im Auge zu behalten. Ich muss sofort reagieren, wenn die eine Warengruppe im Umsatz abstürzt, die eigentlich zur Stützung der anderen Warengruppe dienen soll. Wenn ich als Zeitungsmacher feststelle, das ich nur auf den "Erfolg" hoffen kann, wenn der Einzelhändler nicht auf seine Kalkulation achten kann, weil er es nicht kann, dann muss ich, der es kann, in der Verantwortung sein. Wenn jemand der Verursacher eines Produktes ist, und sei es nur eine "one-man Show", dann ist man dazu verpflichtet. Nur wie machen es dann die "Großen" Einzelhändler. Ich selbst würde den gleichen Schlüssel der Preisumrechnung ansetzen. Die großen haben halt mehr Vertriebspunkte, und mit unterschiedlichem Kaufverhalten je nach Ballungsraum zu tun. Selbst bei einem sehr großen Vertriebsnetz ist es verdammt schwer, das der "Erfolg" zu Gunsten des Produktes sowie des Kunden kippt. Was ich damit schreiben möchte ist eigentlich recht simpel: Wie der Straßenverkäufer einer Straßenzeitung wird auch der Einzelhändler Opfer der Zeit. Und noch Entscheidet nicht nur der Kunde mit dem Kauf des Produktes über Erfolg oder Misserfolg, sondern auch die Kalkulation. Und lieber höre ich auf, bevor die gern gemachte Aussage der Arbeitsagentur auftaucht "Sie haben es ja Probiert". Ich lasse mir ungern Nachsagen, das ich direkt verantwortlich bin, für die Pleite eines Einzelhändlers.
Fazit: Hätte ich vor 8 Monaten in meinen Verlag sagen wir mal 30.000 Euro in Form von langfristigen Krediten investiert, dann wäre ich heute ein Fall für die Schuldnerberatung. Meinem Vermieter, meine Bank interessiert es nicht, wieso mein Verlag gescheitert ist. Die Zahlungen laufen weiter. Und lieber Ärgern die sich über mich sowie über die entgangenen Umsätze, als ich mich über Sie und über meine eigene Dummheit.
Fazit 2: Mit der Netzpräsentation einer neuen Zeitung erreiche ich ca. 200 Millionen deutschsprachige Leser Weltweit, mehr, als die 50.000 Einwohner an potenziellen Lesern in Jena. Wenn ich noch anfangen würde, eine englischsprachige Fassung dieser Zeitung zu veröffentlichen, na dann ...