Bei den Gelegenheiten erzählt der Jenoptik-Lenker dann von
seinen Plänen. Ende vergangenen Jahres mit Erfolg. Am 19. Dezember 2005
unterschrieb die Investmentgesellschaft Springwater Capital einen Kaufvertrag
für die mit 7200 Mitarbeitern und 1,5 Milliarden Euro Umsatz größte
Konzerntochter M+W Zander. So heißt die Reinraum- und Gebäudetechniksparte
seit Zusammenlegung mit der Nürnberger Zander Klimatechnik.
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| Technologiezentrum
der Jenoptik AG: Protegiert wie kaum eine zweite Ost-Firma
nach der Wende |
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Bis Mitte des Jahres soll der Deal über die Bühne gehen. Im
Gegenzug will von Witzleben den geschätzten Verkaufserlös von 150 Millionen
Euro zur Schuldenreduzierung nutzen und rund um das Geschäft mit Lasern,
optischen Geräten und Sensoren ein neues Unternehmen errichten. Bis Ende 2007
will er den Umsatz der dann "neuen Jenoptik AG" von rund 400
Millionen Euro auf eine halbe Milliarde Euro steigern. Damit spiele man in
Europa und den USA "in der oberen Liga der Optoelektronik", so von
Witzleben Ende Januar.
Den Anstoß zur Trennung von M+W Zander hatte von Witzleben bereits im Herbst
2002 gegeben. Bei einem Treffen im Gästehaus des Unternehmens in Jena stellte
er Späth seine Idee erstmalig vor. Bei dem Schwenk mag eine Rolle gespielt
haben, dass er mit dem M+W-Zander-Chef Jürgen Gießmann (59) geschäftlich
offenbar nicht recht harmoniert. Gießmann ist ein grundsolider Arbeiter, von
Witzleben ein Konzernkünstler, der mit Firmen jongliert wie andere mit Bällen.
So entwickelte sich die Trennung von M+W Zander auch mehr und mehr zum
Scheidungsfiasko. Erst bemühten sich Gießmanns Mannen heimlich, aber
vergeblich darum, die Firma selbst zu übernehmen. Dann probierte es von
Witzleben mit einem Gang an die Börse in Singapur. Auch dieser Versuch
scheiterte kläglich und kostete weitere 5,2 Millionen Euro. Anfang Dezember
gelang es von Witzleben dann, Gießmann aus dem Konzernvorstand zu verbannen.
Neues Projekt, neue Strategie, neue Story - so weit, so gut. Allerdings ist
der Verkauf an Springwater noch an die Zustimmung des Kartellamtes und
Regelungen mit der Familie Zander, die gut 27 Prozent der Anteile an M+W
Zander hält, geknüpft.
Verzögerungen und Rückschläge an allen Fronten - erfolgreiches Sanieren
sieht anders aus. Denn auch bei der Tochtergesellschaft mit dem sperrigen
Namen DEWB unterlief von Witzleben nach einem zunächst verzeihlichen Fehler
womöglich ein folgenschwerer Lapsus.
DEWB steht für Deutsche Effecten- und Wechsel-Beteiligungsgesellschaft. Im
Sommer 1997 hatten von Witzleben und Späth von der Heidenheimer
Industriellenfamilie Voith gut 99 Prozent der Firmenanteile erworben.
Allerdings hatten die freien Aktionäre auf Grund eines zuvor geschlossenen
Beherrschungsvertrags noch einen Abfindungsanspruch in Höhe von 26,51 Euro je
Aktie. Einigen der Minderheitsaktionäre war der Betrag jedoch zu niedrig, sie
klagten in einem Spruchstellenverfahren auf Nachbesserung.
Dabei versäumte es Jenoptik, die rund fünf Millionen neuen Aktien durch eine
eigene Wertpapierkennnummer von den alten abfindungsberechtigten Stücken zu
unterscheiden. Ein Aktionär verlangte die Abfindung von Jenoptik und
verklagte das Unternehmen, als dieses sich weigerte zu zahlen. Das
Oberlandesgericht Jena gab ihm in zweiter Instanz Recht. Es beschied zudem,
dass die Aktionäre keine Kaufbelege vorzulegen haben. Vielmehr müsse
Jenoptik beweisen, dass die Ansprüche unberechtigt seien.
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| Jenoptik-Chef
von Witzleben mit Vorgänger Späth: Wo ein Desaster ist,
muss ein Schuldiger präsentiert werden |
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Für Jenoptik ist das ein Fiasko. Inzwischen fordern rund 6000
Kleinaktionäre für jede ihrer Aktien eine Abfindung in Höhe von 26,51 Euro
nebst Zinsen. Im schlimmsten Fall müsste Jenoptik bis zu 140 Millionen Euro
auszahlen.
Ein Ungemach, das von Witzleben durchaus hätte abwenden können. Im Oktober
2004 nämlich, etliche Wochen vor dem Rechtsspruch, war der Beschwerdeführer
zu einem außergerichtlichen Vergleich bereit. 150.000 Euro, und die leidige
Sache wäre erledigt gewesen. Parallel hätte sich von Witzleben im
Spruchstellenverfahren mit den anderen Unzufriedenen einigen können. Das hätte
ihn maximal weitere zwei Millionen Euro gekostet.
Doch von Witzleben wollte sich nicht beugen. Jetzt setzt der Chef verbissen
darauf, dass der Bundesgerichtshof, bei dem seine Juristen Revision eingelegt
haben, das Urteil und auch die Beweislast wieder umkehrt. "Den Prozess
hoffen wir zu gewinnen", sagt er knapp.
Von Witzleben muss so einiges gelingen. Die strategische Neuformierung, die
Ergebnisverbesserung, die Reduzierung der Schulden ... Aufsichtsratschef
Lothar Späth hofft: "Damit wird es wohl nicht mehr lange dauern."
Falls doch, wird Späth wohl Konsequenzen ziehen müssen. Denn eines weiß der
Manager Späth: Wo ein Desaster ist, muss ein Schuldiger präsentiert werden.
Späth darf dann zwischen sich selbst und von Witzleben wählen.
Nachbehandlung in eigner Sache
Auch
wenn ich 10 min zu Späth kam und ich diese Vorlesung nur 10 Min verfolgt
habe, Cleverle, bei dem Vorschlag,
diesen Mann zu ihrem Nachfolger zu machen, geben sie zu, das war nicht ihr
bester Tag.
In diesen 10 min, mit
augenscheinlich vorgefertigten Vorlesungsfolien, und dem rhetorischen Patzer,
Indien und China als Entwicklungsland zu bezeichnen, erinnert mich an eine
Vorlesung in Marketing in Berlin vom Daimler, deren
"Moderator" Mitsubishi als Anhängsel bezeichnet hat.
Wenn
ich über "Globalisierung" referiere, dann sind solche Themen
anzusprechen "fragwürdig", wenn man in der Oberliga mitspielen
möchte.
Von Witzleben, augenscheinlich
mit einer "Zahlendominanz" ausgestattet, ist anzumerken, diesen Mann
mit dem Bj.1964 zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung oder auch
Unterweisung "Optik und Physik" heranzuziehen, damit er sich selbst
die Frage beantworten kann, "Wo ist mein Kerngeschäft", was nicht
bedeutet, das sich betriebswirtschaftliches Denken und Physik beißen müssen.
Denn wenn er es verstanden hätten, wären nicht nur seine Zahlen anders,
nein, ich hätte länger wie 10 Min durchgehalten.
Was
mich zu den "Ansage" hinleiten lässt: "Von Witzleben würde
noch nicht mal eine "feindliche Übernahme" erkennen, solange der
Investor nicht vor ihm steht, und nach dem Erfolg dieser "Aktion"
mit der Ansage traktiert: "You are fired"