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JENOPTIK
 

Die Späthfolgen


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Große Erwartungen beim Einstieg, ein bestenfalls mäßiger Erfolg im weiteren Geschäftsverlauf - so erging es Späth mit etlichen seiner Erwerbungen. Dass Jenoptik dennoch zwischenzeitlich Gewinne einfuhr - in der Spitze waren es 88 Millionen Euro - verdankt Späth in erster Linie einigen lukrativen Börsengeschäften. Als Anleger nach allem griffen, was an Neu-Emissionen auf den Markt kam, brachte seine Truppe Aktien von Jenoptik-Ausgründungen und anderen jungen Technikfirmen unters Volk.

So war die hoch gelobte Jenoptik zum Ende der Ära Späth eher ein Emissionshaus mit kostspieliger Technologieabteilung: eine Unternehmenskonstruktion, die auf Dauer nicht tragfähig war. Das wurde spätestens 2002 erkennbar, als sich die Euphorie an der Börse in eine böse Depression verwandelt hatte. Prompt rutschte Jenoptik im folgenden Geschäftsjahr in die roten Zahlen.

Späth sieht indes auch heute keine Alternative zu seinem damaligen Vorgehen. "Mir war es gleichgültig, woher das Geld kam. Hauptsache, wir bekamen welches", gibt er zu Protokoll und fügt an: "Ich habe kein Lehrbuch gefunden, wo steht, wie man eine Firma dieser Art betreibt."

Späth, den viele als "Cleverle" bezeichnen, zog sich im Juni 2003 in den Aufsichtsrat zurück, in bester Strahlemannmanier, womöglich nur im Inneren ein wenig ernüchtert.

Seitdem steuert Alexander von Witzleben - grüne Augen, runde Hornbrille, hohe Stirn - die Geschicke von Jenoptik. Der Manager ist ein Zögling Späths, war 1993 vom Wirtschaftsprüfer KPMG zur Jenoptik gekommen. Späth lässt sich zumeist nur übers Telefon auf dem Laufenden halten. Schließlich ist von Witzleben ein Glücksfall für Jenoptik.

Einerseits.
Der Mann kennt sich wie kein zweiter in den weiten Verästelungen des Konzerns aus. Außerdem ist von Witzleben ein guter Verkäufer. Bei Analystentreffen bringt der Manager, der in seinem Verhalten an die ungezwungenen Zeiten der New Economy erinnert, selbst 30 stocksteife Schweizer in Schwung. Vetter Albrecht von Witzleben, erfolgreicher Vermögensverwalter in London, tut ein Übriges. Er hilft in der Finanzmetropole mit guten Verbindungen zu Investoren und Bankana

 

Bei den Gelegenheiten erzählt der Jenoptik-Lenker dann von seinen Plänen. Ende vergangenen Jahres mit Erfolg. Am 19. Dezember 2005 unterschrieb die Investmentgesellschaft Springwater Capital einen Kaufvertrag für die mit 7200 Mitarbeitern und 1,5 Milliarden Euro Umsatz größte Konzerntochter M+W Zander. So heißt die Reinraum- und Gebäudetechniksparte seit Zusammenlegung mit der Nürnberger Zander Klimatechnik.

Technologiezentrum der Jenoptik AG: Protegiert wie kaum eine zweite Ost-Firma nach der Wende
Bis Mitte des Jahres soll der Deal über die Bühne gehen. Im Gegenzug will von Witzleben den geschätzten Verkaufserlös von 150 Millionen Euro zur Schuldenreduzierung nutzen und rund um das Geschäft mit Lasern, optischen Geräten und Sensoren ein neues Unternehmen errichten. Bis Ende 2007 will er den Umsatz der dann "neuen Jenoptik AG" von rund 400 Millionen Euro auf eine halbe Milliarde Euro steigern. Damit spiele man in Europa und den USA "in der oberen Liga der Optoelektronik", so von Witzleben Ende Januar.

Den Anstoß zur Trennung von M+W Zander hatte von Witzleben bereits im Herbst 2002 gegeben. Bei einem Treffen im Gästehaus des Unternehmens in Jena stellte er Späth seine Idee erstmalig vor. Bei dem Schwenk mag eine Rolle gespielt haben, dass er mit dem M+W-Zander-Chef Jürgen Gießmann (59) geschäftlich offenbar nicht recht harmoniert. Gießmann ist ein grundsolider Arbeiter, von Witzleben ein Konzernkünstler, der mit Firmen jongliert wie andere mit Bällen.

So entwickelte sich die Trennung von M+W Zander auch mehr und mehr zum Scheidungsfiasko. Erst bemühten sich Gießmanns Mannen heimlich, aber vergeblich darum, die Firma selbst zu übernehmen. Dann probierte es von Witzleben mit einem Gang an die Börse in Singapur. Auch dieser Versuch scheiterte kläglich und kostete weitere 5,2 Millionen Euro. Anfang Dezember gelang es von Witzleben dann, Gießmann aus dem Konzernvorstand zu verbannen.

Neues Projekt, neue Strategie, neue Story - so weit, so gut. Allerdings ist der Verkauf an Springwater noch an die Zustimmung des Kartellamtes und Regelungen mit der Familie Zander, die gut 27 Prozent der Anteile an M+W Zander hält, geknüpft.

Verzögerungen und Rückschläge an allen Fronten - erfolgreiches Sanieren sieht anders aus. Denn auch bei der Tochtergesellschaft mit dem sperrigen Namen DEWB unterlief von Witzleben nach einem zunächst verzeihlichen Fehler womöglich ein folgenschwerer Lapsus.

DEWB steht für Deutsche Effecten- und Wechsel-Beteiligungsgesellschaft. Im Sommer 1997 hatten von Witzleben und Späth von der Heidenheimer Industriellenfamilie Voith gut 99 Prozent der Firmenanteile erworben.

Allerdings hatten die freien Aktionäre auf Grund eines zuvor geschlossenen Beherrschungsvertrags noch einen Abfindungsanspruch in Höhe von 26,51 Euro je Aktie. Einigen der Minderheitsaktionäre war der Betrag jedoch zu niedrig, sie klagten in einem Spruchstellenverfahren auf Nachbesserung.
Dabei versäumte es Jenoptik, die rund fünf Millionen neuen Aktien durch eine eigene Wertpapierkennnummer von den alten abfindungsberechtigten Stücken zu unterscheiden. Ein Aktionär verlangte die Abfindung von Jenoptik und verklagte das Unternehmen, als dieses sich weigerte zu zahlen. Das Oberlandesgericht Jena gab ihm in zweiter Instanz Recht. Es beschied zudem, dass die Aktionäre keine Kaufbelege vorzulegen haben. Vielmehr müsse Jenoptik beweisen, dass die Ansprüche unberechtigt seien.

Jenoptik-Chef von Witzleben mit Vorgänger Späth: Wo ein Desaster ist, muss ein Schuldiger präsentiert werden
Für Jenoptik ist das ein Fiasko. Inzwischen fordern rund 6000 Kleinaktionäre für jede ihrer Aktien eine Abfindung in Höhe von 26,51 Euro nebst Zinsen. Im schlimmsten Fall müsste Jenoptik bis zu 140 Millionen Euro auszahlen.

Ein Ungemach, das von Witzleben durchaus hätte abwenden können. Im Oktober 2004 nämlich, etliche Wochen vor dem Rechtsspruch, war der Beschwerdeführer zu einem außergerichtlichen Vergleich bereit. 150.000 Euro, und die leidige Sache wäre erledigt gewesen. Parallel hätte sich von Witzleben im Spruchstellenverfahren mit den anderen Unzufriedenen einigen können. Das hätte ihn maximal weitere zwei Millionen Euro gekostet.

Doch von Witzleben wollte sich nicht beugen. Jetzt setzt der Chef verbissen darauf, dass der Bundesgerichtshof, bei dem seine Juristen Revision eingelegt haben, das Urteil und auch die Beweislast wieder umkehrt. "Den Prozess hoffen wir zu gewinnen", sagt er knapp.

Von Witzleben muss so einiges gelingen. Die strategische Neuformierung, die Ergebnisverbesserung, die Reduzierung der Schulden ... Aufsichtsratschef Lothar Späth hofft: "Damit wird es wohl nicht mehr lange dauern."

Falls doch, wird Späth wohl Konsequenzen ziehen müssen. Denn eines weiß der Manager Späth: Wo ein Desaster ist, muss ein Schuldiger präsentiert werden. Späth darf dann zwischen sich selbst und von Witzleben wählen.

Nachbehandlung in eigner Sache

Auch wenn ich 10 min zu Späth kam und ich diese Vorlesung nur 10 Min verfolgt habe, Cleverle, bei dem Vorschlag, diesen Mann zu ihrem Nachfolger zu machen, geben sie zu, das war nicht ihr bester Tag. 

In diesen 10 min, mit augenscheinlich vorgefertigten Vorlesungsfolien, und dem rhetorischen Patzer, Indien und China als Entwicklungsland zu bezeichnen, erinnert mich an eine Vorlesung in Marketing in Berlin vom Daimler, deren "Moderator"  Mitsubishi als Anhängsel bezeichnet hat.

Wenn ich über "Globalisierung" referiere, dann sind solche Themen anzusprechen "fragwürdig", wenn man in der Oberliga mitspielen möchte.

Von Witzleben, augenscheinlich mit einer "Zahlendominanz" ausgestattet, ist anzumerken, diesen Mann mit dem Bj.1964 zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung oder auch Unterweisung "Optik und Physik" heranzuziehen, damit er sich selbst die Frage beantworten kann, "Wo ist mein Kerngeschäft", was nicht bedeutet, das sich betriebswirtschaftliches Denken und Physik beißen müssen. Denn wenn er es verstanden hätten, wären nicht nur seine Zahlen anders, nein, ich hätte länger wie 10 Min durchgehalten.

Was mich zu den "Ansage" hinleiten lässt: "Von Witzleben würde noch nicht mal eine "feindliche Übernahme" erkennen, solange der Investor nicht vor ihm steht, und nach dem Erfolg dieser "Aktion" mit der Ansage traktiert: "You are fired"

 

Learning by doing

C.K.J.P

 11.06.2010 22:07 letztes Update 

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